HOME
INHALTSVERZEICHNIS
Der Fanclub
GERETTET...
Vermittlung & Urlaub
Chinchilla kompakt
Farben & Genetik
Käfige & Schlafhäuser
allgemeine Fragen
Krankheiten
Krankenberichte
Fehldiagnosen
Notfall & Hitzschlag
Hilfe durch die Natur
Kastration
Chinurteil/-b√ľcher
Spaß mit Chinchillas
Eure Fotos
Links

 

Krankheiten II

WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN ÜBER KRANKHEITEN BEIM CHINCHILLA FINDEN SIE AUßERDEM AUF DEN SEITEN DER www.CHINCHILLA-HOMEPAGE.de

Giardien

Vitamin-B-Mangel - Krämpfigkeit

Proteus (Schmutzkeim)

Blasensand

Mastitis

Untersuchungsbilder Blasensand

GIARDIEN

Was sind Giardien?
Giardien sind weltweit verbreitete parasitisch lebende, einzellige Mikroorganismen, die sich im D√ľnndarm von Mensch und Tier ansiedeln k√∂nnen und dort √ľber Jahre hinweg leben, ohne dass sie beim Wirt Krankheitssymptome verursachen. Somit bekommen sie die Chance im Darm des Wirtes zu verweilen, sich dort unbemerkt zu vermehren und sich sp√§ter auf andere Wirte auszubreiten. Giardien sind dabei nicht streng wirtsspezifisch, d.h. sie k√∂nnen auf jegliche Tierarten und auch auf den Menschen √ľbertragen werden. Umgekehrt genauso.

Die Infektion erfolgt dabei auf dem f√§ko-oralem Weg mittels so genannter Zysten, die entweder von Lebewesen zu Lebewesen, √ľber ‚Äěverseuchtes‚Äú Trinkwasser oder Lebensmittel √ľbertragen werden k√∂nnen (s. Abbildung). Giardien geh√∂ren in geringen Ma√üen zu der nat√ľrlichen Darmflora vieler Tier - und Haustierarten. Ob sie allerdings auch auf nat√ľrlicher Weise die Darmflora der Chinchillas besiedeln, ist noch stark umstritten. In der Literatur finden sich keine Hinweise, jedoch bef√ľrworten einige Tier√§rzte die Theorie, dass auch bei Chinchillas eine gewisse Anzahl von Giardien normal sind.

Wie verbreiten sich die Giardien?
Um eine Vermehrung  innerhalb des Wirtes und eine Verbreitung von Wirt zu Wirt zu garantieren, haben sie sich die Giardien ein ausgekl√ľgeltes System ‚Äěausgedacht‚Äú. Sie durchlaufen im Darm verschiedene Entwicklungsstufen. Dabei unterscheidet man zwischen den begei√üelten vegetativen Zellen, Trophozoiten genannt und deren viel kleineren Zysten.

Die Vermehrung der Giardien im Darm erfolgt mittels Zweiteilung der vegetativen Zellen. Sie besiedeln die Darmschleimhaut des D√ľnndarmes und sind au√üerhalb des Wirtes nicht √ľberlebensf√§hig. Deswegen bilden sie die so genannten Zysten, die mit dem Kot ausgeschieden werden und f√ľr die Verbreitung der Giardien au√üerhalb des Wirtes verantwortlich sind. Diese Zysten besitzen eine strapazierf√§hige H√ľlle und k√∂nnen in der Umwelt (au√üerhalb des Wirtes) bis zu 3 Wochen √ľberleben. Im k√ľhlen Wasser (ca. 8¬įc) sogar bis zu 3 Monaten. Allerdings sind sie nicht sehr hitzestabil, sprich bei einer Temperatur ab 60¬į C wird die H√ľlle zerst√∂rt und somit die infekti√∂se Aktivit√§t der Zyste inaktiviert.

Diese produzierten Zysten werden permanent mit den Kot ausgeschieden und verteilen sich  im K√§fig (√Ąste / Bretter / Einstreu) und im Auslaufgebiet der Chinchillas. So k√∂nnen sie durch die orale Aufnahme in einen neues Tier gelangen oder das selbe Chinchilla immer wieder auf ¬īs neue infizieren.

Haben die Zysten den Weg in einen neuen oder denselben Wirt gefunden, bilden sich daraus im Laufe des Entwicklungszyklus der Giardien wieder neue teilungsfähige vegetativen Zellen, die wiederum die infektiösen Zysten bilden.

Welche Krankheiten verursachen Giardien?
Giardien sind als m√∂glicherweise krankmachende Erreger anzusehen. Das hei√üt, solange Mensch und Tier gesund sind und √ľber ein intaktes Immunsystem verf√ľgen, richten die Parasiten im K√∂rper keinen Schaden an und es kommt demnach auch zu keinen ersichtlichen Krankheitssymptomen. Die Immunabwehr h√§lt die Giardien also in Schach und verhindert so eine krankmachende Ausbreitung im K√∂rper. Aber Achtung: die ansteckenden Zysten werden trotzdem in dieser Zeit von dem Wirt ausgeschieden.

Sind Mensch und Tier durch eine andere Krankheit ‚Äěgebeutelt‚Äú und/oder werden durch √§u√üere Einfl√ľsse gro√üen Stress ausgesetzt, wird auch das Immunsystem geschw√§cht. Die Giardien nutzen dann die Chance sich explosionsartig im Darm zu vermehren. Damit werden sie f√ľr Tier und Mensch krankmachend.

Beim Chinchilla  kommt es zun√§chst zu relativ leichten, periodisch auftretenden Durchf√§llen, (oftmals weicher, aber noch geformter Kot), die durch die Gabe von hartem Brot und Laktobazillen (Bene Bac /Omniflora N/ Hylak Plus) schnell wieder abklingen. Unbehandelt kann es im Laufe der Zeit zu Resorptionsst√∂rungen, zu Entz√ľndungen an den Darmschleimh√§uten, sowie zu anderer morphologischen Ver√§nderungen an den Verdauungsorganen kommen. Das Chinchilla wird innerlich zunehmend geschw√§cht, es verliert an Gewicht und die Gefahr von Sekund√§rinfektionen durch Bakterien erh√∂ht sich um ein Vielfaches.

Treten also immer wiederkehrende, unspezifische Durchf√§lle beim Chinchilla auf, sollte mittels Kotprobe auf Giardien und zus√§tzlich auch auf andere m√∂gliche Ursachen (Bakterien / Pilze / andere Parasiten), die diese Durchf√§lle ausl√∂sen k√∂nnen, untersucht werden. Daf√ľr sammelt man am Abend frischen Kot (15-20 K√∂ttel reichen) der Chinchillas ein. Entweder von jedem Tier einzeln oder eine Sammelprobe mehrerer Tiere pro K√§fig. Der Kot sollte dann am besten in Haushaltsfolie gewickelt werden, damit er √ľber Nacht nicht austrocknet. Diese Probe kann dann √ľber den Tierarzt oder in Eigeninitiative direkt in ein entsprechendes Labor geschickt werden. Bitte immer mit dem Vermerk, dass auch auf Giardien getestet werden soll.

Wie werden Giardien festgestellt?
Nachgewiesen werden Giardien zur Zeit mit einem speziellen Test, dem ELISA (enzyme-linked immunosorbent assay). Dieser Test ist relativ aufwendig und wird √ľberwiegend in einem gr√∂√üeren Labor (meist Routinelabor an einer veterin√§rmedizinischen Uni oder Klinik) durchgef√ľhrt. Deswegen auch der Sondervermerk bei Abgabe der Kotproben!!

Bei diesem Test kommt es zu einer Antigen-Antikörper Reaktion. D.h., ist der Wirt mit Giardien infiziert, wird sein Immunsystem auf jeden Fall ganz spezielle Antikörper gegen diesen Parasiten bilden. Diese Antikörper werden aus der Kotprobe isoliert und dann durch die Zugabe der bekannten Parasiten (= Antigene) gebunden. Diese dann zustande kommende Verbindung (Antigen-Antikörper) wird anschließend in diesen Test mit Hilfe spezieller Hilfsmittel (z.B. Enzyme), die diese Verbindung ausfindig machen, sichtbar gemacht.

Da man davon ausgeht das eine geringe Anzahl von Giardien bei den √ľberwiegenden Tieren im Darm vollkommen nat√ľrlich ist, arbeitet dieser Test mit einem gewissen Schwellenwert. Das hei√üt, erst ab einer bestimmten (hohen) Konzentration von gebildeten Antik√∂rpern zeigt der Test ein positives Ergebnis an.

Positiver Giardien ‚Äď Befund  /  Was nun?
Liegt die Diagnose vor, dass das Chinchilla an Giardien erkrankt ist und es auch die entsprechenden Krankheitsanzeichen zeigt, muss auf jeden Fall mit speziellen Medikamenten behandelt und während dieser Zeit von dem Halter besondere Hygienemaßnahmen eingehalten werden.

Von vielen Tier√§rzten wird zur Behandlung gegen die Giardien zun√§chst Panacur® (Wirkstoff: Fenbendazol) empfohlen. Leider kam es bei diesem Wirkstoff in letzter Zeit zunehmend zu Resistenzen und die Behandlungen blieben ohne Erfolg.  Alternative Wirkstoffe sind u. a.  Albendazol (Valbazen®) und Metronidazol.

Aber Achtung: die o. g.  Medikamente darf man weder bei tr√§chtigen Chinchillas im ersten Schwangerschaftsdrittel noch bei Jungtieren anwenden, die nicht mind. 2/3 ihres End-K√∂rpergewichts erreicht haben. Bei Schwangeren riskiert man sonst ein Absterben der F√∂ten und eine daraus resultierende Schwangerschaftsvergiftung oder Missbildung (Fruchtsch√§digung). Bei zu kleinen Jungtieren drohen Sp√§tsch√§den wie Knorpelsch√§den, Unfruchtbarkeit, erh√∂htes Krebsrisiko ...

Bitte sprecht zuvor immer die entsprechende Behandlungsmethode mit einem Chin-erfahrenen Tierarzt genau durch. Denn nicht jedes oben genannte Medikament ist f√ľr jedes Chinchilla gleich gut geeignet. Dabei ist es auch egal ob es sich um ein tr√§chtiges Chin, Jung ‚Äď oder Alttier handelt!!

Metronidazol / Erfahrungsbericht:
Bei meinen Chinchillas wurden bei einer Routinekotuntersuchung vor knapp 2 Jahren Giardien festgestellt. Gemeinsam mit meinem Tierarzt habe ich dann, nach einer erfolglosen Panacur-Behandlung, beschlossen mit Metronidazol zu behandeln. Zun√§chst habe ich es mit Metronidazol Tabletten  (250mg) versucht, was aber absolut fehlgeschlagen ist. Abgesehen davon das die Dosierung mehr als m√ľ√üig ist, haben meine Chins sich auch mit allen Pf√∂tchen dagegen gestr√§ubt, die in Wasser aufgel√∂sten Tabletten anzunehmen. Im nachhinein habe ich gelesen, das die Tabletten in Verbindung mit Wasser stark aufsch√§umen und dies wahrscheinlich von den Chinchillas als sehr unangenehm empfunden wird.

Ich habe mir daraufhin bei meinem Tierarzt eine 10% ige Metronidazol L√∂sung herstellen lassen, die meine Chinchillas ohne Probleme angenommen und auch gut vertragen haben. Mit dieser Form der Metronidazol - Behandlung habe ich pers√∂nlich, bzw. meine Chinchillas sehr gute Erfahrungen gemacht. Nebenwirkungen, wie Abgeschlagenheit, gro√üe Fressunlust, ungeformten oder zu kleinen Kot konnte ich nicht beobachten.

Von der 10% igen Metronidazol - L√∂sung bekamen sie 1x t√§glich  0,1ml pro 500g K√∂rpergewicht (entspricht 20mg / kg Chinchilla = Minimaldosierung f√ľr Langzeittherapie bei Nagetieren)  mittels einer 1ml Spritze (ohne Nadel) direkt in das M√§ulchen.

Auf Anraten meines TA¬īs habe ich der t√§glichen Metro ‚Äď Ration noch eine winzige Prise Vitamin C (Ascorbins√§ure / Apotheke) zugef√ľgt, weil somit wohl der Wirkstoff besser vom K√∂rper aufgenommen und schneller verarbeitet werden kann.

In der Veterin√§r - medizinischen Fachliteratur wird empfohlen das Metronidazol  40 Tage ohne Unterbrechung zu geben. Weil das Metro aber ein recht starkes Antibiotikum ist, hatte ich etwas Angst das meine Chinchillas dadurch einer zu hohen Dauerbelastung ausgesetzt werden und habe eine Art Kur, welche bisher auch bei der Panacur - Behandlung vorgeschlagen wird, durchgef√ľhrt.

Das hei√üt, meine Chinchillas bekamen zun√§chst √ľber 7 Tage 1x t√§glich das Metronidazol. Dann habe ich eine Pause von 10 Tagen eingehalten.Danach habe ich die Behandlung mit Einhaltung der Pause von 10 Tagen noch 2x wiederholt.

Zus√§tzliche unterst√ľtzende Mittel / Medikamente:
Um Entz√ľndungen an den Darmschleimh√§uten und/oder Bl√§hungen zu verhindern bzw. einzud√§mmen habe ich w√§hrend der 7 Tage Behandlungsphase prophylaktisch noch 1-2x t√§glich 0,5 ml Saab Simplex® (Apotheke) pro 500g K√∂rpergewicht gegeben.

Um die Darmflora, die ja schon durch die Krankheit und noch zus√§tzlich durch jede Medikamentengabe beeintr√§chtigt wird, wieder zu regenerieren bekamen die Chins in den 10 Tagen Pause, und noch einige Tage nach Abschluss der Behandlung, zus√§tzlich ca. 4-6 Tropfen Hylak Plus® (Laktobazillen / Apotheke) auf 330ml Trinkwasser. Alternativen zum Hylak w√§ren z. B. Bird Bene Bac® oder Omniflora N®. Ich habe mich f√ľr das Hylak entschieden, weil es in Tropfen vorliegt und problemlos √ľber das Trinkwasser gegeben werden kann.

Um auch das Immunsystem zu unterst√ľtzen ‚Äď was immer ganz wichtig ist -  habe ich meinen Chins √ľber die gesamte Zeit zus√§tzlich eine Multivitamin ‚Äď L√∂sung  ( z.B. Pitti Multivitamintropfen, 3 ‚Äď 6 Tropfen auf 330ml Trinkwasser) gegeben.

Nachdem meine Chinchillas die letzte Ration des Medikamentes erhalten hatten, habe ich ca. 1 Woche sp√§ter eine erneute Kotprobe machen lassen. Diesmal war der Befund negativ und blieb es zum Gl√ľck auch bis heute :-)

Ganz wichtig:
Die Medikamente töten nur die empfindlichen, vegetativen Zellen im Darm ab. Die kurz zuvor produzierten Zysten oder die noch in der Wandlung befindlichen Zysten können nicht von den Medikamenten zerstört werden. Die Zysten werden also noch eine zeitlang mit dem Kot ausgeschieden, somit weiterhin in der Umgebung verteilt und können die Chinchillas so durch die orale Aufnahme erneut infizieren. Der Zyklus beginnt von vorne.

Deswegen ist es, egal f√ľr welches Medikament man sich letzten Endes entscheidet, sehr wichtig:

- dass die komplette Behandlungszeit eingehalten wird
- dass alle im Käfig vorhandenen Tiere behandelt werden und
- dass bestimmte Hygienemaßnahmen eingehalten werden

Hygienemaßnahmen:
Neben der konsequenten  Medikamentengabe ist also auch die konsequente Hygiene wichtig, um die Verbreitung der infekti√∂sen Zysten so gut wie irgendwie m√∂glich einzud√§mmen.

Wenn man die M√∂glichkeit hat, sollte man die Chins w√§hrend der Behandlungszeit  in einen relativ kleinen,  aber zumutbaren K√§fig umquartieren. Der K√§fig sollte gut zu reinigen sein und auch nur einfach, sprich mit ebenfalls gut zu reinigenden Gegenst√§nden eingerichtet sein.

Hat man diese Ausweichmöglichkeit, kann man den gereinigten und gut ausgesaugten Hauptkäfig während der Behandlungszeit einfach leer stehen und ruhen lassen. Die infektiösen Zysten sterben dann, wie zuvor schon berichtet, nach ca. 3 Wochen von alleine ab.

Aber egal ob die Chinchillas nun in einen Ausweichkäfig umquartiert werden oder in ihrem eigentlichen Käfig bleiben; in dem Käfig wo sich die Chinchillas während der Behandlungsphase befinden, ist die tägliche Hygiene besonders wichtig und muss auch wirklich eingehalten werden. Dazu zählt u. a.:

- täglich das Einstreu wechseln
- t√§glich Bodenschale, Bretter, √Ąste, H√§uschen absaugen (Staubsaugerspitze regelm√§√üig mit kochendem Wasser absp√ľlen)
- t√§glich alle beweglichen Gegenst√§nde, insb. Futtergef√§√üe wie Fre√ü - und Heun√§pfe, mit kochendem Wasser mind. 5 ‚Äď 15 Min. gut absp√ľlen (besser auskochen) oder im Backofen bei 150¬įC kurz ausbacken.

Au√üerdem sollten die Chinchillas w√§hrend der gesamten Behandlungszeit keinen Auslauf au√üerhalb der K√§fige bekommen‚Äď so schwer es einem auch f√§llt.

Gerade das Auskochen bzw. Ausbacken ist sehr wirkungsvoll, weil ja die Zysten bei einer l√§ngeren Temperatur ab 60¬įc absterben. Ein guter Grund, weshalb sich auch in der Giardien-Bek√§mpfung die kleinen Haushaltsdampfger√§te (bekanntes Beispiel ist die Dampfente) bew√§hrt haben. Hat man so ein Ger√§t zur Hand, sollte man 1 x die Woche zus√§tzlich den kompletten K√§fig, alle beweglichen und insbesondere die nichtbeweglichen Gegenst√§nde damit intensiv abdampfen. Aber Achtung; einmal kurz ‚Äědr√ľber dampfen‚Äú reicht nicht aus. Die H√ľlle der Zysten wird erst nach ein paar Minuten durch die Hitzeeinwirkung zerst√∂rt.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis:
Auf den Einsatz jeglicher Desinfektionsmittel, die man bitte sowieso nur auf die gut abwaschbaren Gegenst√§nden in der Umgebung der Chinchillas geben darf und auch nur im Notfall geben sollte, kann bei der Giardien-Bek√§mpfung getrost verzichtet werden. Denn die H√ľllen der Zysten werden dadurch nicht zerst√∂rt. Und letzten Endes schadet man den Chinchillas damit mehr, als das man ihnen damit hilft.
Anke K.

Literatur:
Medizinische Mikrobiologie: F.H. Kayser, K.A.Bienz, J. Eckert, J. Lindenmann
Grundriss der Parasitenkunde: H. Mehlhorn, G. Piekarski
Krankheiten der Heimtiere: K. Gabrisch, K. Zwart
Diagnose und Therapie der Parasiten von Haus - , Nutz- , und Heimtieren: H. Mehlhorn, D√ľwel, Raether

Mastitis

Mastits ist der medizinische Fachausdruck f√ľr Brustentz√ľndung, welche sehr schmerzhaft, jedoch rechtzeitig erkannt, leicht zu behandeln ist.

Woher kommt eine Mastits, was sind die grundlegenden Ursachen?

Zu einer Mastits kommt es bei s√§ugenden Weibchen, deren Wurf sehr gro√ü geraten und die Mutter f√ľr die Babies nicht genug Milch hat. Ein weiterer Grund kann aber generell veranlagungsbedingter oder gar vererbter Milchmangel oder aber auch Kalziummangel sein.

Die Babies raufen in erster Linie schon recht bald um die Zitzen, saugen und bei√üen in diese, um satt werden zu k√∂nnen. Durch das Bei√üen in die Zitzen und m√∂glicherweise um deren Umfeld entsteht die Mastits, wovon auch die Milchdr√ľsen betroffen sind. Keime gelangen durch die Bisswunden und geraten so in die Blutbahn der Mutter, eine Vergiftung der inneren Organe ist dadurch in schweren F√§llen sehr nahe gelegen. Eine im Anfangsstadium befindliche Mastits ist mit Quarkwickel und Garmastan gut zu behandeln. Antibiotika hat bei einer reinen Mastitsbehandlung keine Wirkung, es sei denn, es liegt bereits eine Vergiftung der Organe durch die Keimstreuung vor. In diesem Falle hat eine sofortige Antibiotika-Behandlung eingeleitet zu werden.

Behandlung mit Quarkwickel und Salbe

Speisequark mit m√∂glichst hohem Fettgehalt, Handtuch, lauwarmes Wasser und K√ľchenrolle

Mehrmals t√§glich die betroffenen Zitzen und deren Umfeld mit direkt aus dem K√ľhlschrank entnommenem Quark belegen und ein Handtuch um das Chinchilla wickeln. Der Quark k√ľhlt die Entz√ľndung, hemmt die Schwellung und gibt dem Gewebe Feuchtigkeit und Fett, damit es nicht rei√üt. Sobald der Quark K√∂rpertemperatur des Chinchillas hat (dies merkt man indem der Quark weich bis fl√ľssig wird), den Quark mit lauwarmen Wasser aus dem Fell waschen und das Chinchilla mit dem Handtuch trocken TUPFEN, nicht reiben, sonder nur zart tupfen. Quarkreste k√∂nnten vom Chinchilla und den Babies geleckt werden und schwere Durchf√§lle k√∂nnten entstehen! Anschlie√üend mit der Salbe "Garmastan" (unbedenklich f√ľr Menschenbabies und selbst erprobt bei Chinchillas) vorsichtig die Zitzen und ebenfalls das betroffene Umfeld eincremen. Nach Abklingen der Schwellungen, Entz√ľndung und einhergehenden R√∂tungen die Quarkwickel und Garmastan-behandlung einstellen. Die Salbe erstickt das Fell um die befallenen Stellen und ist nur schwierig aus dem Fell zu waschen.

Die Babies m√ľssen in dieser Zeit von einer Amme oder per Hand aufgezogen werden, sie k√∂nnen bei der Mutter bleiben, sofern soviel zugef√ľttert wird, das sie nicht an den Zitzen der Mutter zu trinken versuchen. Nach Behandlungsabschluss m√ľssen die Zitzen der Mutter t√§glich mehrmals kontrolliert werden, da die Babies trotz h√§ufigem und ausgiebigem Zuf√ľttern zur Beruhigung an den Zitzen der Mutter saugen. Sollte die Mastits von Neuem beginnen, ist es besser, die Babies von der Mutter zu trennen.

Meine pers√∂nliche Ansicht und pers√∂nlicher Rat - ein Weibchen mit Milchmangel sollte von der Zucht ausgeschlossen und ein angenehmes Leben, ohne Mutter werden zu m√ľssen, f√ľhren d√ľrfen. Gleichgeschlechtliche Haltung oder kastriertes B√∂ckchen dazusetzen.
Michi

Proteus (Schmutzkeim)

Allgemeine Eigenschaften
Proteae sind weitverbreitet als Schmutzkeim in der Natur (Erdboden, Wasser), wo sie in F√§ulnisprozessen eine wesentliche Rolle spielen. Sie kommen ferner bei verschiedenen Tierarten (Nagern, V√∂geln, Hunden, Katzen, Wiederk√§uern und Schweinen) h√§ufig in der Darmflora vor. Im Darm des Menschen sind sie aber in der Regel, von der Menge her, schwach vertreten. Proteus ist ein gramnegativer (grampositiv*) Bakterienstamm, welcher beim Menschen Harnwegsinfektionen ausl√∂sen kann. Medizinisch sind nur wenige Arten von Bedeutung. Proteus mirabilis (als h√§ufigster Erreger) und Proteus vulgaris sind relativ selten urs√§chlich f√ľr Krankheitsgeschehen (Faktorenerkrankungen wie zum Beispiel Stress), verantwortlich ist Proteus f√ľr Harnwegsinfektionen bei Hund Katze und Nagetieren.

Morphologische und kulturelle Eigenschaften
Proteae besitzen die allgemeinen Eigenschaften der Enterobacteriaceae. Sie z√§hlen zu den differentialdiagnostisch wichtigsten Keimen in der Salmonella-Diagnostik. Eine charakteristische kulturelle Eigenschaft ist ihr oberfl√§chliches Schw√§rmen auf gewissen N√§hrb√∂den unter g√ľnstigen Feuchtigkeitsbedingungen.

Infektionen bei verschiedenen Tierarten
Proteae wird nur sporadisch im Zusammenhang mit pathologischen* Zust√§nden isoliert und zeigen eine nat√ľrliche Resistenz gegen√ľber gewissen Chemotherapeutika.

Behandlung beim Chinchilla
Eine gezielte Behandlung kann aufgrund eines Antibiogrammes eingeleitet werden, wobei beim Chinchilla ist eine sofortige Behandlung nach Ausf√ľhrung einer Kotprobe nicht angebracht ist, da zuerst die Quelle des Bakteriums gefunden werden muss. Das bedeutet, eine Abkl√§rung ob sich dieser Schmutzkeim lediglich in der Umwelt befindet und so in die Kotprobe gelangt ist, oder ob das Tier den Keim in sich tr√§gt. Hierf√ľr ist eine komplette Untersuchung des jeweiligen Tieres, sowie eine Tupferprobe von Oesophagus* und Anus* notwendig. Proteus ist nicht alleine f√ľr Durchfall des Chinchillas verantwortlich, es ist ein Zusammenwirken von geschw√§chtem Immunsystem, wie z.B. durch Stress, Harnwegsinfekt, etc., welcher die √úberproduktion des Keimes zul√§sst und so den Durchfall entstehen l√§sst.

Um den Missbrauch von Medikamenten zu unterbinden und den dringend n√∂tigen Weg zum Tierarzt in einer gewissen Weise zu ‚Äěerzwingen‚Äú, wird in diesem Beitrag weder Medikation, noch Behandlungsdauer genannt.

grampositiv
Die Gram-Färbung ist eine Färbung von Bakterien mit dem violetten Farbstoff. Färben sich Bakterien mit der Gram- Färbung dunkelblau an, spricht man von grampositiven Bakterien (z.B. Staphylokokken). Bakterien, die sich mit der Gram-Färbung rot färben, sind gramnegativ (z.B. E.coli). Man verwendet die Gram-Färbung vor allem zur Unterteilung bzw. Klassifizierung von Bakterien.
pathologisch
Krankhaft, abweichend von der Norm
Oesophagus
Speiseröhre bis zum Magen
Anus
After der vom Analring umgrenzte unterste Mastdarmabschnitt
Michi

Vitamin-B- und Mineralienmangel bei Chinchillas
Gerade Jungtiere und Chinchillas im Wachstum, aber auch Tiere mit Stress haben einen erh√∂hten Bedarf an Vitamin-B und Mineralien. Selbst bei ausgewogener Trockennahrung und das Beif√ľttern von Obst (√Ąpfel, Trauben etc. ) kann das Chinchilla Mangelerscheinungen bekommen.

Da sich ein Vitamin-B-Mangel leider erst dann bemerkbar macht, wenn bereits ein kritischer Tiefstwert erreicht ist, besteht f√ľr das Chinchilla absolute Lebensgefahr !! Bringen Sie Ihr Tier sofort zum Tierarzt und weisen Sie ihn auf den Mangel hin. Oft werden auf Grund fehlender Erfahrung mit Chinchillas und deren Stoffwechsel Fehldiagnosen gestellt und auf einen instabilen Kreislauf behandelt, was unweigerlich zum Tod des Tieres f√ľhrt, falls es nicht schnellstens seinen Vitamin- und Mineralienhaushalt wieder auf ein normales Niveau gebracht bekommt.

Symptome
Das Chinchilla zeigt erst dann Ausfallerscheinungen, wenn die kritische Marke schon erreicht ist. Pl√∂tzliches Taumeln und Unsicherheit beim Laufen sind die ersten Anzeichen. Insbesondere nach Anstrengungen wie z.B. beim t√§glichen Auslauf wird ihr Chinchilla ohne Vorwarnung bewusstlos und bricht zusammen. Sprechen Sie in diesem Fall das Tier sofort an und versuchen Sie unbedingt, das Tier wieder zu Bewusstsein zu bringen, andernfalls bekommt es einen Kreislaufkollaps mit Atemstillstand!! Das Chinchilla kann anfangen zu krampfen, √§hnlich einem epileptischen Anfall, wobei die Krampfphasen bis zu einer Minute anhalten k√∂nnen. In dieser Phase versteift sich das ganze Tier, die Gesichtsz√ľge ver√§ndern sich unkontrolliert und das Chinchilla ist nicht mehr Herr seiner Bewegungen. Auch wenn Sie in diesem Zustand gebissen werden, Ihr Chinchilla kann nichts daf√ľr, denn es hat Todesangst. Nach einem Krampfanfall entspannt sich das Tier wieder f√ľr ca. eine halbe Minute bevor der n√§chste Krampfanfall kommt. Dieser Zustand kann bis hin zu mehreren Stunden anhalten, auch wenn es dazwischen zu etwas l√§ngeren Entspannungsphasen kommen kann. Lassen Sie sich nicht t√§uschen und in falscher Sicherheit wiegen falls Ihr Tier nicht mehr krampft, es stirbt ohne Ihre Hilfe. Falls Sie nicht sofort die M√∂glichkeit haben, zu einem Tierarzt oder Notdienst mit Ihrem Tier zu gehen, lassen Sie Ihr Chinchilla in dieser Zeit nicht alleine, es braucht Sie und Ihre N√§he zum √úberleben !! Weisen Sie den Tierarzt unbedingt auf einen m√∂glichen Vitamin-B-Mangel hin und lassen Sie dem Tier einen Vitamin-B-Komplex spritzen. Selbst wenn es sich um einen anderen Ausl√∂ser f√ľr die Kr√§mpfe Ihres Tieres handeln sollte, schaden ihm die Vitamine nichts und st√§rken den Kreislauf.

Vorbeugung
Verabreichen Sie Ihrem Tier regelm√§√üig und zur Prophylaxe ein Vitamin-B-Kombipr√§parat √ľber das Trinkwasser. Achten Sie bei der Auswahl des Pr√§parates darauf, dass die Vitamine B1, B2, B6 und B12 enthalten sind. Bew√§hrt hat sich der Multivitaminsaft Vitacombex NA f√ľr Nager der Fa. Pharmacia GmbH, der in jedem guten Tiernahrungsgesch√§ft in verschiedenen Gr√∂√üen erh√§ltlich ist. Sie sollten die Flasche nach Anbruch lichtgesch√ľtzt und m√∂glichst k√ľhl, am besten im K√ľhlschrank, aufbewahren damit sich die enthaltenen Vitamine nicht zersetzen k√∂nnen und damit unbrauchbar werden. Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Flasche nicht schon einmal ge√∂ffnet wurde und verbrauchen Sie die Tropfen nur, solange sie eine hellgelbe bis gelbe Farbe haben. Geht die Farbe der Tropfen in ein Dunkelgelb bzw. Ocker √ľber, haben sich die Vitamine bereits zersetzt und n√ľtzen Ihrem Tier nichts mehr. Holen Sie in diesem Falle unbedingt ein neues Produkt. Die Tropfen k√∂nnen √ľber das Trinkwasser verabreicht werden, sollten aber t√§glich frisch gegeben werden.
Dana

Erfahrungsbericht ‚Äď Blasensand
Das Chinchilla verhielt sich normal, doch plötzlich war auf einem der Sitzbretter im Käfig eine ziemlich blutige Stelle. Nach Kontrolle beider im Käfig befindlicher Chinchillas konnten keine Bisswunden, oder ein- bzw. abgerissene Zehen entdeckt werden. Ohren, Augen, Nasen, Mundhöhle, Schwanz, Körper, ja selbst die Geschlechtsteile beider Tiere waren augenscheinlich in Ordnung. Nach längerem Beobachten der Chinchillas aus der Ferne, war dann eindeutig zu erkennen, das beim Urinieren des einen Tieres, deutlich Blut kam.

Abtasten bei TA ergab vorerst keine irritierten Innereien, erst nach einem R√∂ntgen des K√∂rpers konnte eine Verdichtung der Blase festgestellt werden. Die Diagnose Blasensand, was sehr selten bei Chinchillas vorkommt. W√§ren es Blasensteine, k√∂nnten diese nur mittels Operation entfernt werden, Blasensand hingegen geht w√§hrend eines 7-t√§gigen Behandlungsablaufes wieder ab. Der Blasensand hat au√üerdem eine Blasenentz√ľndung hervorgerufen, durch welche sich Blut in der Blase gesammelt hat. Nach zweit√§giger Gabe von jeweils einer Antibiotika- und einer Elektrolytespritze wurde die Blase mittels Ultraschall kontrolliert, die Verdichtung der Blase ist weitr√§umig abgeklungen.  Es folgte dann eine 5-t√§gige Behandlung mit Antibiotika und einem darmschonendem Medikament, danach waren Blasensand und Blasenentz√ľndung geheilt. Eine Kontrolluntersuchung einige Monate sp√§ter ist angebracht!

Ursachen von Entstehung von Blasensand und in weiterer Folge Blasensteine
Chinchillapellets unterliegen leider keiner so strengen Untersuchung wie zum Beispiel Hundefutter, deshalb ist in vielen Pelletsmarken ein zu hoher N√§hrstoffanteil enthalten, welche von manchen Tieren nicht verwertet werden k√∂nnen und sich als vorerst Blasensand in der Blase absetzen. Es empfiehlt sich zwar gen√ľgend Pellets zu f√ľttern, jedoch den Anteil von Heu zu erh√∂hen ‚Äď also besser mehr Heu als Pellets. Das Chinchilla, bei welchem der Blasensand diagnostiziert wurde frisst gerne zu viel Pellets. Bei einer Diagnose von Blasensand sollte der Heuanteil im Futter und die Auslaufzeit erh√∂ht werden, damit das Tier die N√§hrstoffe verwertet.

ACHTUNG ‚Äď auf keinen Fall darf Kaninchenfutter, oder dergleichen gef√ľttert werden, zwar sind hier die N√§hrstoffe anders, doch damit richten sie mit Sicherheit grosse Gesundheitssch√§den an ihrem Chinchillas an! F√ľttern sie Chinchillapellets - pro Tier ein Essl√∂ffel pro Tag und Heu soviel die Tiere fressen, Heu kann nie zuviel sein!
Michi

Untersuchungsbilder Blasensand
Michi


Chinchilla wird rasiert


Das Gel f√ľr die Ultraschalluntersuchung wird aufgetragen


Die eigentliche Ultraschall-Untersuchung


Die eigentliche Ultraschall-Untersuchung