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Chinchilla-Genetik

Es gibt einige verschiede Wege, die „Genetik“ der Chinchillas zu erklären. Ich habe dabei für mich einen Weg gefunden, der mir noch am leichtesten zu verstehen ist.

1.
Der wohl wichtigste Punkt ist die Hauptunterteilung zwischen 2 „Gen-Familien“. Diese zwei Familien sind:

(a)
Das Standard-Gen, das für die dunkelgraue bis schwarze Färbung der Ohren und der Augen, sowie für die dunkelbraune bis schwarze Färbung der Augen zuständig ist,
(b)
Das Beige-Gen, das für die rote (bis Pinke) Färbung der Ohren und die rote Färbung der Augen zuständig ist.

2.
Die zweite Unterteilung erfolgt auf so genannte „Dominante“ und „Rezessive“ Gene. Der Hauptunterschied zwischen dieses Genen ist:

(a)
Dominante Gene können sich auch in einfacher Form durchsetzen (Heterozygot) oder kurz HETERO Form.
(b)
Rezessive Gene können sich nur in doppelter Form durchsetzen (wenn sich 2 dieser Gene vermischen und damit die HOMO Form bilden).

Zu den dominanten Genen gehören: Standard, Beige, Weiß und Velvet
Zu den rezessiven Genen gehören: Ebony, Violet, Saphir und Charcoal

Es ist unter Züchtern im Moment davon die Rede, dass sich die Silberfarbe in Chinchillas auch „dominant“ durchsetzt. D. h., das silberfarbene Tiere (die von den Genen her ja eigentlich entweder das Weiße oder das Standard Gen weitervererben, ihr eigenes, Silberfarbe-Gen entwickelt haben). Das wäre eine ganz neue Mutation der Gene, was aber durchaus möglich wäre, da ich diese Erfahrung teilweise auch schon gemacht habe. Dies bleibt aber immer noch umstritten.

Jetzt, wo wir die Unterteilung einigermaßen geregelt haben, kommen wir zu der Gen-Beschreibung der einzelnen Farben. (Bin jetzt nicht ganz genau auf Details in der Haarschaft-Farbe eingegangen – nur zur generellen Übersicht).

Die Namen für die Gene sind (zum leichten Verständnis) frei erfunden. Großbuchstaben stehen für Dominante Gene, kleine Buchstaben für Rezessive.

Hier die Dominanten Gene:
(1)
Standard
Die Farbe kennt mittlerweile wohl jeder. Unterschiedlich graue Haare im Oberfell, heller werdende Seiten, weißer Bauch.

Domantes Gen: Standard (S), rezessives Gen: Standard (s)

(2)
Weiß
Hier gibt es wieder verschiedene Unterteilungen, die aber alle unter die selbe Gen-Bezeichnung fallen.

(I)
Wilson White
Jedes Haar am Körper weiß, Augen und Ohren dunkel.

(II)
White Mosaik (Weißschecke)
Hauptfarbe weiß, mit kleineren oder größeren grauen Flecken an Körper und Kopf

(III)
Silber
Einheitlich am Körper verteilte, silberfarbene Haare, die unterschiedlich hell oder dunkel sein können

(IV)
Silber-Mosaik (Silberschecke)
Wie Silber, nur mit kleineren oder größeren weißen Flecken.

(V)
Platin
Wie Silber, nur mit gleichmäßig dunkler Silberfarbe

(VI)
Platin-Mosaik (Platinschecke)
Wie Platin, nur mit kleineren oder größeren weißen Flecken

Dominantes Gen: Weiß (W), Rezessives Gen: Standard (s)

(3)
Beige
Oberdecke beige, Seiten heller, Bauch weiß

Dominantes Gen: Beige (B), rezessives Gen: Standard (s)

(4)
Black Velvet
Velvet ist eigentlich mehr als Zeichnung zu bezeichnen, wie als Farbe. Die typischen Merkmale des Velvets sind die gleichmäßige, sehr dunkle Oberdecke (hier schwarz), die heller werdenden Seiten, der weiße Bauch und die dunklen Streifen (auch „Manschetten“ genannt) auf den Vorderbeinen.

Dominantes Gen: Velvet (V), rezessives Gen: Standard (s)

Wenn man diese Gene vermischt, können sich folgende Farben ergeben:

(1)
Pink Weiß
Am ganzen Körper weiß, Augen und Ohren rot

Dominante Gene: Beige und Weiß, beide dominant (BW oder WB), rezessives Gen: Standard (s)

(Manchmal können kleine beige Stellen im Haarkleid auftauchen – diese Tiere gelten dann als nicht ganz „farbrein“)

(2)
Braun Velvet
Wie bei Black Velvet, nur Oberdecke einheitlich dunkelbraun, Seiten meist beige, Bauch weiß, Streifen auf Vorderbeinchen dunkelbraun

Dominante Gene: Beige und Velvet, beide dominant (BV oder VB), rezessives Gen: Standard (s)

(3)
Velvet/Weiß
Grundfarbe weiß mit dunkelgrauen bis schwarzen Flecken auf dem Fell, Vorderbeine haben die typischen Velvet-Streifen (schwarz)

Dominante Gene: Velvet und Weiß, beide dominant (VW oder WV), rezessives Gen: Standard (s)

(4)
Braun Velvet/Weiß
Grundfarbe weiß mit beigen bis dunkelbraunen Flecken auf dem Fell, Vorderbeine haben typische Velvet-Streifen (dunkelbraun)

Dominante Gene: Beige, Velvet und Weiß, alle 3 dominant (BVW, VWB oder WBV), rezessives Gen: Standard (s)

Jetzt gibt es bei den dominanten Genen noch das sogenannte „Homo“-Gen. D. h., daß zwei der selben dominanten Gene in doppelter Form vorhanden sind.

Dies ist NUR bei Standard und Beige möglich. Bei Weiß und Velvet kommt hier der so genannte „Lethal-Faktor“ zustande. D. h., dass Gen kann in der Hom-Form nicht existieren. Wenn man dann z. B. zwei Velvets miteinander züchtet, kann trotzdem ein Velvet Baby herauskommen, dieses trägt dann aber jeweils 1 Standard und 1 Velvet-Gen in sich. Das Velvet/Velvet-Gen konnte sich nicht entwickeln. Deshalb hat man bei Velvet/Velvet oder Weiß/Weiß Kombinationen meistens nur 1 Baby. Das andere konnte nicht entstehen. Velvet und Weiß können ohne Problem miteinander gekreuzt werden, da man in diesem Fall kein Doppelt Weiß bzw. Velvet-Gen hat.

Bei einem „Homo“ Standard wäre das Gen (SS) – das Tier kommt Standardfarben zur Welt. Das „Homo“ Standard-Gen hat auf die Weiterzucht keinen Einfluss (benimmt sich wie ein normales Standard-Gen.)

Bei einem „Homo“ Beige ist das Gen (BB) – das Tier ist in der Beige-Farbe meistens heller bis ganz hell beige und hat hellrote bis fast pinkfarbene Augen. Das Homobeige Gen löscht das bei Beige rezessive Standard-Gen komplett aus. D.h., dass auch in der Weiterzucht zu Tieren, die das Standard-Gen tragen, keine auf Standard basierenden Tiere mehr entstehen können. Es entstehen dann immer die oben bereits erwähnten Mischungen (z. B. Homo Beige und Black Velvet kann nur Beige und Braun Velvet erzeugen. Kein Standard oder Black Velvet mehr).

Hier die rezessiven Gene

(1)
Ebony
Komplett gleichmäßig tiefschwarzes Fell am ganzen Körper (auch Bauch). Das Fell kann – im Fall von Hetero-Ebonies – in den Seiten ein paar graue Haare haben.

Gen: (e)

(2)
Violet
Gleichmäßig graues (fast Mausgrau, keine Unterschiede in den Grautönen, wie z.B. bei Standard) Fell an Oberlinie und Seiten des Tieres, Bauch weiß

Gen: (i)

(3)
Charcoal
Sieht fast aus wie ein Standard. Unterschiede sind der ebenfalls Standardfarbene Bauch und der Ansatz des Haarkleids weist kein weiß vor. Das gesamte Haarkleid des Charcoals sollte keine weißen Anteile haben. NICHT zu verwechseln mit „Ferro-“ oder „Wrap-Around“ Standards. Diese Tiere sind Standards, die das Ebony-Gen tragen, was sich durch den ebenfalls Standard-farbenen Bauch ausweist. Diese Tiere haben allerdings an ihren Haarschaften immer noch weiße Anteile.

Gen: (c)

(4)
Saphir
Diese Farbe sieht hat dieselben Haarschaft-Merkmale wie Standards. Die Farbe hat allerdings einen sehr starken Blaustich. Schwer zu beschreiben – muss man gesehen haben. Der Bauch ist weiß.

Gen: (p)

Das bedeutet – kurz gefasst – für die Farben folgende Gen-Kombinationen:

(Die Buchstabenkombinationen können in jeder beliebigen Reihenfolge auftreten, wichtig ist nur groß oder klein)

Standard: S s
Beige: B s
Weiß: W s
Black Velvet: V s
Brown Velvet: B V s
Pink Weiß: B W s
Velvet/Weiß: V W s
Brown Velvet/Weiß: B V W s
Homo Beige: B B*
Homo Beige/Velvet: B B V*
Homo Beige/Weiß: B B W*
Homo Beige/Velvet/Weiß: B B W V*

* = Kein (s) mehr!! Kein rezessives Standard-Gen mehr!!

So viel jetzt erst einmal zu den Genen. Jetzt kommen wir zu einigen Beispielen. Diese Art scheint für mich die leichteste, die Farbmöglichkeiten der Babies zu errechnen.

Am besten nimmt man eine kleine Tabelle. In dieser werden jeweils oben alle Farb-Gene des einen Tieres aufgezählt, auf der linken Seite werden jeweils alle Farb-Gene des anderen Tieres aufgezählt. Diese werden dann in der Tabelle zusammengefügt und ergeben somit die Farben, die dabei herauskommen könnten.

Es müssen immer alle Farben angegeben werden, die in dem Tier vorhanden sind oder besser: aus dem die Farbe des Tieres zusammengesetzt worden ist (d.h. z. B. bei Brown Velvet: Beige, Standard, Black Velvet, und Brown Velvet).

B e i s p i e l e:
Standard (Ss) und Standard (Ss)

 

S

s

S

SS

Ss

s

SS

ss






Es können nur Standard Babies entstehen.

Standard (Ss) und Beige (Bs)

 

S

s

B

BS

Bs

s

sS

ss






Es können 50% Beige (BS und Bs) und 50% Standard (sS und ss) Babies entstehen.

Standard und Black Velvet

 

S

s

V

VS

Vs

s

SS

Ss






Es können 50% Black Velvet (VS und Vs) und 50% Standard (SS und Ss) Babies entstehen.

Standard und Weiß

 

S

s

W

WS

Ws

s

sS

ss






Es können 50% Weiße (WS und Ws) und 50% Standard (sS und ss) Babies entstehen, wobei bei den weißen Babies wieder alle oben unter weiß genannten Weiß-Kombinationen entstehen können.

Beige und Black Velvet

 

V

s

B

BV

Bs

s

sV

ss






Es können 25% Braun Velvet Babies entstehen (BV), 25% Beige (Bs), 25% Black Velvet (sV) und 25% Standard (ss).

Beige und Weiß

 

W

s

B

BW

Bs

s

sW

ss






Es können 25% Pink Weiße (BW), 25% Beige (Bs), 25% Weiße (sW) und 25% Standard (ss) Babies entstehen.

Black Velvet und Weiß

 

W

s

V

VW

Vs

s

sW

ss






Es können 25% Velvet/Weiß (VW), 25% Black Velvet (Vs), 25% Weiße (sW) und 25% Standard (ss) Babies entstehen.

Standard und Brown Velvet

 

S

s

B

BS

Bs

V

VS

Vs

BV

BVS

BVS

s

SS

Ss









Es können 25% Beige (BS und Bs), 25% Black Velvet (VS und Vs), 25% Brown Velvet (BVS und BVs) und 25% Standard (SS und Ss) Babies entstehen.

Beige und Brown Velvet

 

B

s

B

BB

Bs

V

VB

Vs

BV

BVB

BVs

s

sB

ss









Es können hier 12 ½% Homo Beige, 25 % Beige, 25% Brown Velvet, 12 ½% Black Velvet, 12 ½% Homo Beige/Velvet und 12 ½% Standard Babies herauskommen.

Weiß und Brown Velvet

 

W

s

B

BW

Bs

V

VW

Vs

BV

BVW

BVs

s

sW

ss









Es können jeweils 12 ½% von diesen Farben herauskommen:
Pink Weiß (BW), Beige (Bs), Velvet/Weiß (WV),
Black Velvet (Vs), Brown Velvet Weiß (BVW),
Brown Velvet (BVs), Weiß (sW) und
Standard (ss).

Nur als Beispiel, man sollte es wirklich nicht tun:

Black Velvet und Brown Velvet

 

V

s

B

BV

Bs

V

VV

Vs

BV

BVV

BVs

s

sV

ss









Hier kommt der Lethalfaktor zur Geltung, da – wie schon oben erwähnt – kein doppeltes Velvet (V) Gen entstehen kann. Diese Babies sind entweder nicht entwicklungsfähig (also entstehen nicht), oder können – in schlimmen Fällen – sogar tot geboren oder verkrüppelt geboren werden (das ist aber nicht so oft der Fall).

Die Chancen errechnen sich wie folgt:

25 % Lethal (tödlich) (VV, BVV), 25 % Brown Velvet (BV), 12 ½% Beige (Bs), 25% Black Velvet (Vs) und 12 ½% Standard (ss)

Die Farben der Babies entstehen allerdings nach einem „Zufallsprinzip“. D. h., welche der Möglichkeiten nun in den Babies auftaucht, kann man nicht berechnen. Es könnten z. B. aus Möglichkeiten Black Velvet, Braun Velvet, Standard und Beige entweder 2 x Standard und 1x Beige, 1x Black Velvet und 1x Brown Velvet, etc, etc. entstehen. Diese Möglichkeit wiederum ist wirklich unberechenbar. Aber man weiß immer ungefähr, welche Farben man erwarten kann. Darauf hinaus kann man dann auch sehen, welche Farben man gerne als Pärchen zusammensetzen möchte.

Das ganze ist nur ein schnell zusammengestellter Entwurf. Falls Ihr spezielle Fragen zu bestimmten Farben-Kombinationen habt, laßt es mich bitte wissen. Ich stelle Euch dann gerne die jeweilige Tabelle auf.
Sonja